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Uwe Wiedemann (Chemnitz): Die Logik der zwei Wahrheiten und die Konsenstheorie der Wahrheit
Die Konsenstheorie der Wahrheit
(von lat. consensus, Übereinstimmung, Einigkeit) (auch:
intersubjektive Wahrheitstheorie oder Konsensustheorie der Wahrheit)
bestimmt Aussagen dann als wahr, wenn eine potentiell unendlich
große Menge von Menschen unter idealen
Kommunikationsbedingungen dieser Aussage allgemein zustimmen
würde.
Wahrscheinlich ist Protagoras
von Abdera einer der ersten gewesen, die den Dialog als Mittel
der Wahrheitsfindung diskutierten.
Wir wollen hier nicht die verschiedenen Varianten der Konsenstheorie diskutieren,
sondern ein logisches Argument vortragen, das die Vertreter von Konsenstheorien
dazu verpflichtet, zu zeigen, warum bzw. wann überhaupt Konsens möglich
ist.
Wir betrachten dazu eine vierwertige extensionale Logik, die wir
Logik der zwei Wahrheiten taufen wollen. Es
gibt die Wahrheitswerte w, w1, w2
und f, wobei w den Aussagen zugeordnet wird, wenn die beiden Personen
P1 und P2
zustimmen, w1, denen, den nur
P1 zustimmt und
w2 denen, den nur P2
zustimmt, f denen beide nicht zustimmen. Für P1
sind also w und w1 ausgezeichnete
Wahrheitswerte und für P2
dagegen w und w2. Beide vertreten eine
klassische Logik.
Es gelten dann folgende Wahrheitswerttabellen:
| pÙq |
w |
w1 |
w2 |
f |
| w |
w |
w1 |
w2 |
f |
| w1 |
w1 |
w1 |
f |
f |
| w2 |
w2 |
f |
w2 |
f |
| f |
f |
f |
f |
f |
| pÚq |
w |
w |
w |
f |
| w |
w |
w |
w |
w |
| w1 |
w |
w1 |
w |
w1 |
| w2 |
w |
w |
w2 |
w2 |
| f |
w |
w1 |
w2 |
f |
| pÉq |
w |
w1 |
w2 |
f |
| w |
w |
w1 |
w2 |
f |
| w1 |
w |
w |
w2 |
w2 |
| w2 |
w |
w1 |
w |
w1 |
| f |
w |
w |
w |
w |
Klar ist, daß sich beide auf Aussagen einigen können, für
die der Wahrheitswert w gilt. Trotzdem kann keine Diskussion
zur Einigung bei Aussagen mit w1 und
w2 führen.Womit wir einen
partiellen Skeptizismus
als Betrachter vertreten müssen,
wenn wir eine Konsenstheorie der Wahrheit vertreten.
Wir schreiben:
1 p, wenn
P1 und
2 p, wenn
P2 den Satz p akzeptiert und
p,
wenn
sowohl 1 p als auch
2 p.
Da für jeden der beiden Personen die klassische Logik gilt, folgt:
KAL p, dann
p.
Trotzdem können sich beide nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt zu allen
Punkten einigen, obwohl sie beide den gleichen und sehr
strengen Rationalitätskriterien entsprechen.
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