Pyrrhon.de
 
 
 
 
 
 
PhilLex - Lexikon der Philosophie
philosophenlexikon.de
Griechische Mythologie
PhilSearch
PhiloShop
PhilTalk Philosophieforen
PhiloThek
Philosophische Events
Kohärenztheorie
Philosophisches Galgenraten
Uwe Wiedemann
eMail

Uwe Wiedemann (Chemnitz):
Die Logik der zwei Wahrheiten und die Konsenstheorie der Wahrheit

Die Konsenstheorie der Wahrheit (von lat. consensus, Übereinstimmung, Einigkeit) (auch: intersubjektive Wahrheitstheorie oder Konsensustheorie der Wahrheit) bestimmt Aussagen dann als wahr, wenn eine potentiell unendlich große Menge von Menschen unter idealen Kommunikationsbedingungen dieser Aussage allgemein zustimmen würde.

Wahrscheinlich ist Protagoras von Abdera einer der ersten gewesen, die den Dialog als Mittel der Wahrheitsfindung diskutierten.

Wir wollen hier nicht die verschiedenen Varianten der Konsenstheorie diskutieren, sondern ein logisches Argument vortragen, das die Vertreter von Konsenstheorien dazu verpflichtet, zu zeigen, warum bzw. wann überhaupt Konsens möglich ist.

Wir betrachten dazu eine vierwertige extensionale Logik, die wir Logik der zwei Wahrheiten taufen wollen. Es gibt die Wahrheitswerte w, w1, w2 und f, wobei w den Aussagen zugeordnet wird, wenn die beiden Personen P1 und P2 zustimmen, w1, denen, den nur P1 zustimmt und w2 denen, den nur P2 zustimmt, f denen beide nicht zustimmen. Für P1 sind also w und w1 ausgezeichnete Wahrheitswerte und für P2 dagegen w und w2. Beide vertreten eine klassische Logik.

Es gelten dann folgende Wahrheitswerttabellen:

p ~q
w f
w1 w2
w2 w1
f w

pÙq w w1 w2 f
w w w1 w2 f
w1 w1 w1 f f
w2 w2 f w2 f
f f f f f

pÚq w w w f
w w w w w
w1 w w1 w w1
w2 w w w2 w2
f w w1 w2 f

pÉq w w1 w2 f
w w w1 w2 f
w1 w w w2 w2
w2 w w1 w w1
f w w w w

Klar ist, daß sich beide auf Aussagen einigen können, für die der Wahrheitswert w gilt. Trotzdem kann keine Diskussion zur Einigung bei Aussagen mit w1 und w2 führen.Womit wir einen partiellen Skeptizismus als Betrachter vertreten müssen, wenn wir eine Konsenstheorie der Wahrheit vertreten. Wir schreiben: ⊧1 p, wenn P1 und ⊧2 p, wenn P2 den Satz p akzeptiert und ⊧ p, wenn sowohl ⊧1 p als auch ⊧2 p.

Da für jeden der beiden Personen die klassische Logik gilt, folgt: ⊧KAL p, dann ⊧ p.

Trotzdem können sich beide nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt zu allen Punkten einigen, obwohl sie beide den gleichen und sehr strengen Rationalitätskriterien entsprechen.

 

powered by Uwe Wiedemann