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Uwe Wiedemann
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8  Nachbetrachtungen

Wir haben gesehen, daß eine Kommunikationstheorie entwickelt werden kann, in der die Subjekte nicht überfordert sind, in der keine unakzeptablen Annahmen über die Rationalität gemacht werden müssen.

Dazu haben wir gezeigt, wie es möglich ist die Verwechslung von Normalitätsforderungen an die Subjekte und logischen Gesetzen auch in der Kommunikationstheorie zu überwinden.

Auf dem Weg dorthin haben wir eine Wollenslogik und eine Intentionstheorie entwickelt, die ebenfalls diese Verwechslung vermeiden.

Wir haben eine Kommunikationstheorie vorgestellt, in der nicht alle Subjekte logisch völlig kompetent sind, sich nie widersprechen, niemals sinnloses Zeug reden, nie müde und nie unaufmerksam sind.

Wir konnten sehen, daß eine epistemische Logik, eine Wollenslogik, eine Intentions- logik und eine Kommunikationstheorie auch dann möglich ist, wenn man die empirische Erfüllbarkeit der Prädikate fordert.

Wir beobachteten, daß auch unter dieser Voraussetzung Gesetze abgeleitet werden können, wenn man implizite Prädikate verwendet.

Als Nebeneffekt haben wir festgestellt, daß die Bedingungen des GRICEschen Grundmodells auf Informationshandlungen angewendet für Sprecher nicht zutreffen, über deren Rationalität wir nichts wissen.

Indem wir die Kommunikationstheorie von ihren paradiesischen Zuständen befreiten, kamen wir einer handlungtheoretischen Fundierung der allgemeinen Kommunikationstheorie erheblich näher.

Auf dem weiteren Weg dorthin gilt es vor allem die unterlegte aufgrund-Theorie (und damit die unterlegte Kausaltheorie) zu vertiefen. Eine Vertiefung der Überlegungen zu diesem Thema, dürfte es ermöglichen, den Begriff der illokutionären Aktes in der Kommunikationstheorie zu präzisieren und die Sprechakttheorie handlungstheoretisch zu rekonstruieren.

Wir entwickelten unsere Überlegungen zunächst an einem besonderen Typ des Kommunizierens, an Informationshandlungen. Die Ergebnisse übertrugen wir anschließend auf weitere Typen von Kommunikation, so auf Aufforderungen, Feststellungen, Lügen, Behauptungen, Erlaubnisse, Verbote und Versprechen. In zukünftigen Arbeiten gilt es weitere Kommunikationstypen in die Theorie einzubauen und damit weitere Ergebnisse der Sprechakttheorie mit unserer Theorie zu verknüpfen. Aufgrund ihrer Sonderstellung ist vor allem die weitere Analyse der Feststellungen voranzutreiben.

Einige der untersuchten Kommunikationstypen können dazu dienen, an PHILIPPs deontischer Logik anknüpfend, die deskriptiv verstandene Theorie der Normensätze weiterzubringen, indem kommunikationstheoretische Aspekte stärker berücksichtigt werden.

Wir müßten dazu in der Ethik übliche Typen von Handelnden (Amoralist, Egoist, Subjektivist, Relativist, ethischer Skeptiker usw.) als Handelnde bestimmter Rationalität betrachten und dann ermitteln, welche Eigenschaften ihr Kommunizieren hat, falls sie konsequent sind, was aus ihrer Existenz für eine Kommunikationsgemeinschaft folgt usw. Wir sind diesem Weg hier noch nicht gefolgt und mußten ihn späteren Abhandlungen überlassen.

Im Abschnitt über die Rationalitätstypen haben wir untersucht, wie sich die logischen Fähigkeiten der Diskussionsteilnehmer auf das Verhalten von Kommunikationsgemeinschaften auswirken. Dazu verknüpften wir die STELZNERsche Analyse der Rationalitätstypen mit einer Idee von JAŚKOWSKI und entwickelten eine Reihe geeigneter sehr schwacher epistemischer Modallogiken. Wir konnten insbesondere sehen, daß schon geringe Abstriche an der von MEGGLE geforderten Rationalität dazu führen, daß die MEGGLEsche Theorie nicht mehr zutrifft.

Weitgehend unberücksichtigt blieb in dieser Arbeit WUTTICHs Idee, die GRICEschen Konventionsmaximen in Sprechertypen zu übertragen. [1] Auch diese Idee gilt es in einer Logik des kommunikativen Handelns auszuführen, um Überlegungen zu den Implikaturen diskutieren zu können und so in der Implikaturen-Theorie und in der Analyse der Sprechertypen weiterzukommen.

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[1] WUTTICH, K.: Sind Normalitätsforderungen moralische Maximen? Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Reihe Geistes- und Sozialwissenschaften 41 (1992) 9, 68f.

 

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