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6.8  Versprechen

Wir haben das Versprechen zu untersuchen, da es bei SEARLE der paradigmatische Fall ist. Wir hatten schon oben erwähnt, daß es sinnvoll ist, Versprechen als Informationshandlung über ein Tun-Wollen zu analysieren.

Definition: (propositional hermeneutischer impliziter Versprechensversuch)

PSVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVp(X, Y, f, Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (propositional formal impliziter Versprechensversuch)

PSVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVp(X, Y, f, Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (konklusiv formal impliziter Versprechensversuch)

PSVs(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2], [t3, t4]) =df IVs(X, Y, f, Ps(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Ein nicht aufrichtiges Versprechen wäre dann ein unehrliches Versprechen. Wir betrachten es den Definitionen entsprechend wie AUSTIN [1] als Versprechen.

Die Definitionen beschreiben einen sehr engen Zusammenhang zwischen Versprechen und Informationshandlungen. Jeder Versprechensversuch ist auch ein Informationsversuch (aber nicht umgekehrt).

Folgerung: PSVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) É T(X, f, [t3, t4])

Folgerung: PSVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) É T(X, f, [t3, t4])

Folgerung: PSVs(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) É T(X, f, [t3, t4])

Wenn der Sprecher den Hörer ein Tun verspricht, heißt das noch lange nicht, daß er ihn darüber zu informieren versucht, daß er etwas verspricht. Dies könnte allenfalls für offene Versprechenshandlungen gelten. Wenn Hans der Gretel verspricht jeden Tag seine Schuhe zu putzen, dann liegt zwar ein Versprechensversuch, nicht aber der genannte Informationsversuch vor, falls ihm egal ist, ob Gretel dies als Versprechen ansieht.

SEARLE und VANDERVEKEN haben von kommissiven Akten (und dafür sind nach ihrer Ansicht Versprechen die Paradebeispiele) gefordert, daß sie sich auf zukünftige Sprecherhandlungen beziehen [2]. Nach dieser These müßte in den Definitionen gelten, daß t4 £ t1. Ganz unabhängig davon, daß gesondert zu diskutieren wäre, wie es sich bei Überschneidungen der Intervalle [t1, t2] und [t3, t4] verhält, gilt diese Forderung, wenn überhaupt nicht schon für Versprechensversuche, sondern für erfolgreiche Versprechen.

Ein Sprecher kann auch versuchen ein Versprechen zurückzunehmen. Wir definieren daher auch die Aufhebung von Versprechen.

Definition: (propositional hermeneutischer impliziter Versprechensaufhebungsversuch)

PRVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVp(X, Y, f, ~Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (propositional formal impliziter Versprechensaufhebungsversuch)

PRVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVp(X, Y, f, ~Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (konklusiv formal impliziter Versprechensaufhebungsversuch)

PRVs(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVs(X, Y, f, ~Ps(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Folgerung: PRVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) É T(X, f, [t3, t4])

Folgerung: PRVp(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) É T(X, f, [t3, t4])

Folgerung: PRVs(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) É T(X, f, [t3, t4])

Auch Versprechen und Versprechensaufhebungen können erfolgreich sein oder nicht. Wir definieren:

Definition: (erfolgreicher propositional hermeneutischer impliziter Versprechensversuch)

PSVpE(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2], [t3, t4]) =df IVpE(X, Y, f, Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (erfolgreicher propositional formal impliziter Versprechensversuch)

PSVpE(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVpE(X, Y, f, Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (erfolgreicher konklusiv formal impliziter Versprechensversuch)

PSVsE(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVsE(X, Y, f, Ps(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (erfolgreicher propositional hermeneutischer impliziter Versprechensaufhebungsversuch)

PRVpE(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVpE(X, Y, f, ~Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (erfolgreicher propositional formal impliziter Versprechensaufhebungsversuch)

PRVpE(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVpE(X, Y, f, ~Pp(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Definition: (erfolgreicher konklusiv formal impliziter Versprechensaufhebungsversuch)

PRVsE(X, Y, f, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]) =df IVsE(X, Y, f, ~Ps(X, T(X, g, [t1, t2]), [t3, t4]), [t3, t4])

Die hier eingeführten Prädikate stehen wiederum bloß für die Sprecherperspektive. Nach unseren Definitionen ist jede Versprechenshandlung eine Informationshandlung.

Wir hatten bemerkt, daß SEARLE und VANDERVEKEN von kommissiven Akten und damit auch von Versprechen forderten, daß sie sich auf zukünftige Sprecherhandlungen beziehen [3] und festgehalten, daß sich überschneidende Zeitintervalle dabei unberücksichtigt geblieben sind. Dies ist wohl der Grund, warum sich aus den Definitionen erfolgreichen Versprechens bisher nichts bestimmtes über die Zeitverhältnisse ableiten läßt.

Die Sprechakttheoretiker fordern als vorbereitende Bedingung für kommissive Akte (also insbesondere für Versprechen) auch, daß der Sprecher in der Lage ist, die vom propositionalen Gehalt seiner Äußerung repräsentierte Handlung zu realisieren [4]. Diese Forderung ist sicherlich übertrieben, da insbesondere weder Sprecher noch Adressat wissen müssen, daß der Versprechende sein Versprechen nie und nimmer einhalten kann. Trotzdem wird man von einem erfolgreichen Versprechen, wenn auch nicht von einem eingelösten Versprechen, reden. Dies verdeutlicht folgendes Beispiel:

(B-25) (Versprechen Medizin zu studieren)

Das Kind verspricht den Eltern, Medizin zu studieren, bemüht sich auch darum, bekommt aber keinen Studienplatz.

Auf der Basis des Versprechens und der Versprechensaufhebung läßt sich das Bestehen eines Versprechens definieren. Ein Versprechen besteht, so die Idee, wenn es erfolgreich gesetzt und seitdem nicht erfolgreich aufgehoben wurde.

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[1] AUSTIN, J. L.: Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words). Stuttgart 1989, 33
[2] SEARLE, J. R./VANDERVEKEN, D.: Foundations of Illocutionary Logic. Cambridge 1985, 60
[3] SEARLE, J. R./VANDERVEKEN, D.: Foundations of Illocutionary Logic. Cambridge 1985, 60
[4] vgl. z. B. ROLF, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 164

 

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