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Uwe Wiedemann
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6.3  Lügen

Aufbauend auf die Begriffe der Behauptung lassen sich Begriffe des Lügens einführen.

Üblicherweise versteht man eine Behauptung als Lüge, wenn der Behauptende innerlich den öffentlich akzeptierten Satz verwirft. So hat auch STELZNER die Lüge bestimmt [1].

Daß Lügen Behauptungen und nicht bloße Informationsversuche sind, zeigen meine folgenden Beispiele:

(B-17) (Lehrer erklärt)

Ein Lehrer, der die Relativitätstheorie durchaus gut kennt (ein guter Lehrer halt), erklärt dem Schüler ein Phänomen mit der klassischen Mechanik, um sich dem Niveau des Schülers anzupassen.

(B-18) (Arzt erklärt)

Ein Arzt erklärt dem Patienten seine Krankheit in einfachen Wort, wohl wissend, daß seine einfachen Worte auch kleine inhaltliche Ungenauigkeiten mit sich bringen.

In diesen Beispielen liegt sicherlich keine Behauptung und keine Lüge vor. Es ergeben sich folgende Definitionen für Lügen (aus Sprechersicht) [2]:

Definition: (propositional hermeneutischer implizite Lüge)

Lp(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df ~(X, M, [t1, t2]) Ù IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Ip(X, f, Aip(Y, Aip(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2])

Definition: (propositional formale implizite Lüge)

Lp(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df ~Aip(X, M, [t1, t2]) Ù IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Ip(X, f, Aip(Y, Aip(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2])

Definition: (konklusiv formale implizite Lüge)

Ls(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df ~Ais(X, M, [t1, t2]) Ù IVs(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Is(X, f, Ais(Y, Ais(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2])

Diese Definitionen erfüllen die Forderung STELZNERs, daß die Lüge Resultat intentionalen Handelns sein muß, um die moralische Verwerfbarkeit des Lügens begründen zu können [3]. Aus den Definitionen des Lügens und des Behauptens ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Folgerung: ⊢ Lp(X, Y, f, M, [t1, t2]) º ~Aip(X, M, [t1, t2]) Ù IVBp(X, Y, f, M, [t1, t2])

Folgerung: ⊢ Lp(X, Y, f, M, [t1, t2]) º ~Aip(X, M, [t1, t2]) Ù IVBp(X, Y, f, M, [t1, t2])

Folgerung: ⊢ Ls(X, Y, f, M, [t1, t2]) º ~Ais(X, M, [t1, t2]) Ù IVBs(X, Y, f, M, [t1, t2])

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[1] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 102
[2] vgl. dagegen STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 102 [3] STELZNER, W.: Parameterbezogenheit in der epistemischen Logik. Deutsche Zeitschrift für Philosophie. 28 (1980), 1473

 

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