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Uwe Wiedemann
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5.7  Offene Informationsversuche

Wir hielten fest, daß es sich im Mordindiz-Beispiel (B-5) um einen Informationsversuch, wenn auch weder um einen aufrichtigen, noch um einen offenen handelt. Was wir mit einem offenen Informationsversuch meinen, haben wir bisher jedoch noch nicht präzise formuliert.

Die Problematik welche Art von Offenheit nötig ist, um vom Meinen oder von Kommunikation zu reden, hat eine umfangreiche Diskussion ausgelöst, die unter dem Stichwort Reflexion läuft. Die Einwände im Umfeld der Offenheit von Äußerungen haben GRICE zu Variationen seines Grundmodells geführt [1], die ich - in Anlehnung an eine Bemerkung von BLACK [2] - GRICEsche Epizyklentheorie taufen möchte, da sie an die Epizyklen erinnert, die in das geozentrische Weltbild eingeführt wurden, um abzusichern, daß die Erde Mittelpunkt der Welt ist. Andere haben auch vom Anti-GRICEschen Zirkel-Zirkus geredet [3].

Wir hatten den Informationsversuch gefaßt, ohne Offenheit zu fordern, was dem vortheoretischen Verständnis - zumindest meinem - entspricht.

Mir scheint die zweite Bedingung des GRICEschen Grundmodells, formuliert für Informationsversuche

X beabsichtigt mit f-Tun zu erreichen, daß Y erkennt, daß X mit seinem f-Tun zu erreichen beabsichtigt, daß Y M glaubt (akzeptiert)

als Kriterium für Offenheit geeignet. Es wäre lediglich abzuwägen gegen die Bedingung

X beabsichtigt nicht mit f-Tun zu erreichen, daß Y nicht erkennt, daß X mit seinem f-Tun zu erreichen beabsichtigt, daß Y M glaubt (akzeptiert)

Diese beiden Bedingungen sind keineswegs äquivalent und konstituieren unterschiedliche Begriffe von Offenheit. Wir wollen hier jedoch die erste Variante, d. h. die 2. Grundbedingung des GRICEschen Grundmodells, verwenden und definieren:

Definition: (offener propositional hermeneutischer impliziter Informationsversuch)

IVop(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Ip(X, f, Aip(Y, Ip(X, f, Aip(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2])

Definition: (offener propositional formaler impliziter Informationsversuch)

IVop(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Ip(X, f, Aip(Y, Ip(X, f, Aip(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2])

Definition: (offener konklusiv formaler impliziter Informationsversuch)

IVos(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVs(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Is(X, f, Ais(Y, Is(X, f, Ais(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2]), [t1, t2])

Bei diesen Definitionen wird besonders deutlich, daß wir Quasi-Indikatoren verwenden müßten, wie sie CASTAÑEDA von MEGGLE eingefordert hat [4].

Wir hatten festgestellt, daß wir in BLACKs Beispiel des mithörenden Dritten (B-10) von einem Informationsversuch des X an Z reden, wenn auch nicht von einem offenen. Die fehlende Offenheit entspricht genau dem, was sich aus unseren Definitionen ergibt.

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[1] vgl. GRICE, H. P.: Utterer's Meaning and Intentions. In: Studies in the Way of Words. Cambridge, Mass./London 1991, 86 - 116
[2] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 67
[3] MEGGLE, G./ULKAN, M.: Blacks Anti-Gricescher Zirkel-Zirkus. In: Astroh, M. u. a. (Hrsg.): Dialogisches Handeln, 1997, 235 - 271
[4] CASTAÑEDA, H.-N.: Reflexivität in der Kommunikation. Kommentar zu Georg Meggle. In: KIENZLE, B./PAPE, H.: Reflexivität und die Bedingungen von Kommunikation. Frankfurt a. M. 1991, 412

 

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