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Uwe Wiedemann
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5.6  Aufrichtige Informationsversuche

Ein Informationsversuch ist nur aufrichtig, wenn der Sprecher den Satz auch innerlich akzeptiert.

"Die Aufrichtigkeitsforderung bezieht sich nicht darauf, daß der behauptete Satz tatsächlich wahr ist. Ob der Sprecher aufrichtig behauptet oder nicht, ist Resultat intentionalen Handelns des Sprechers, es kann nicht Resultat eines Irrtums sein, der dem Sprecher durchaus unterlaufen kann, indem sich der von ihm innerlich akzeptierte Satz als falsch erweist." [1]

Dies entspricht auch der Aufrichtigkeitsforderung, die die Sprechakttheoretiker für assertive Sprechakte (zu denen sie das Informieren zählen) fordern [2].

Ob die Aufrichtigkeitsforderung erfüllt ist, gestaltet sich aus der Perspektive von Sprecher und Hörer unterschiedlich. Wir betrachten hier wieder nur die Sprechersicht und definieren:

Definition: (aufrichtiger propositional hermeneutischer impliziter Informationsversuch)

IVp+(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Aip(X, M, [t1, t2])

Definition: (aufrichtiger propositional formaler impliziter Informationsversuch)

IVp+(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Aip(X, M, [t1, t2])

Definition: (aufrichtiger konklusiv formaler impliziter Informationsversuch)

IVs+(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVs(X, Y, f, M, [t1, t2]) Ù Ais(X, M, [t1, t2])

Wir haben bereits bei der Diskussion der Informationsversuche das Mordindiz-Beispiel von GRICE [3] behandelt (B-5). Wir stellten dort fest, daß es sich hier um einen Informationsversuch, wenn auch weder um einen aufrichtigen, noch um einen offenen handelt. Die Definitionen zeigen, die Gültigkeit unserer dortigen Bemerkungen für die Aufrichtigkeit. Dieses Beispiel zeigt auch, daß ein Informationsversuch unaufrichtig, aber trotzdem erfolgreich sein kann.

In BLACKs Beispiel vom mithörenden Dritten [4] (B-10) handelt es sich um einen aufrichtigen Informationsversuch des X an Z, wenn er tatsächlich glaubt, daß die Studenten von Z diesen nicht leiden können. Diesem vortheoretischen Verständnis entspricht unsere Definition.

In Analogie zu Prädikaten der impliziten äußeren Akzeptation, lassen sich nun auch Begriffe der aufrichtigen impliziten äußeren Akzeptation aus der Sprecherperspektive bestimmen.

Definition: (aufrichtige propositional hermeneutische implizite äußere Akzeptation)

Aäp+(X, Y, M, [t1, t2]) =df Aäp(X, Y, M, [t1, t2]) Ù Aip(X, M, [t1, t2])

Definition: (aufrichtige propositional formale implizite äußere Akzeptation)

Aäp+(X, Y, M, [t1, t2]) =df Aäp(X, Y, M, [t1, t2]) Ù Aip(X, M, [t1, t2])

Definition: (aufrichtige konklusiv formale implizite äußere Akzeptation)

Aäs+(X, Y, M, [t1, t2]) =df Aäs(X, Y, M, [t1, t2]) Ù Ais(X, M, [t1, t2])

In der Sprechakttheorie wird als vorbereitende Bedingung für assertive Sprechakte (zu denen dort das Informieren gehört) gefordert, daß der Sprecher gute Gründe oder Evidenzen dafür hat, daß die von ihm ausgedrückte Proposition wahr ist [5]. Ich kann diese Forderung nicht akzeptieren, da sie Lügen nicht zuläßt. Zum einen trifft sie höchstens für aufrichtige Informationsversuche zu, zum anderen gibt es genügend Menschen, die gar nicht (oder noch nicht oder nicht mehr) in der Lage sind, kognitiv begründet zu akzeptieren (und kognitive Gründe sind ja wohl gemeint), die uns aber trotzdem z. B. über ihren Hunger, ihre Angst usw. informieren können.

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[1] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 101
[2] vgl. z. B. ROLF, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 140
[3] GRICE, H. P.: Meaning. In: Studies in the Way of Words. Cambridge, Mass./London 1991, 217
[4] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 60
[5] vgl. z. B. ROLF, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 140

 

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