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Uwe Wiedemann
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5.3.3  BLACKs Argument der semantisch relevanten Wirkungen

Wenn wir die Adäquatheit unserer Definition prüfen wollen, haben wir noch einen Einwand von BLACK [1] zu diskutieren, den dieser ausdrücklich gegen jede intentionalistische Kommunikationstheorie [2] und insbesondere gegen die 1. GRICEsche Bedingung [3], die wir ja im Prinzip akzeptieren, vorgetragen hat.

Semantisch relevante Wirkungen nennt BLACK die Wirkungen eines Sprechaktes, die den intentionalistischen Prinzipien zufolge notwendig und hinreichend sind, damit die betreffende Botschaft erfolgreich kommuniziert wurde. (Der von BLACK verwendete Begriff der erfolgreichen Kommunikation entspricht nicht dem von uns später eingeführten). Bei GRICE wie bei uns beabsichtigt der Sprecher beim Hörer eine Glaubensannahme auszulösen und damit ist die semantisch relevante Wirkung, daß der Hörer diese Glaubensannahme akzeptiert.

Die intendierten Wirkungen einer Äußerung nennt BLACK in sprechakttheoretischer Tradition illokutionäre Wirkungen, nicht intendierte Wirkungen dagegen perlokutionär.

Auch wenn die illokutionären Wirkungen nicht erreicht werden, kann die Äußerung (in BLACKs Interpretation) erfolgreich sein. Dieser Fall tritt ein, wenn der Hörer den Sprecher versteht, das Gehörte aber nicht akzeptiert, z. B. weil der Hörer dem Sprecher nicht traut oder weil er einen anderen Grund hat, dem Sprecher nicht zu glauben. In solchen Fällen ist das, was der Sprecher gemeint hat, kommuniziert worden, es hat eine Kommunikation stattgefunden.

Richtiges Verstehen, so BLACK weiter, ist Voraussetzung dafür, daß eine propositionale Einstellung (akzeptieren, glauben usw.) aufgrund der Äußerung entstehen kann. Wenn verstanden worden ist, was der Sprecher meint, dann hat eine Kommunikation stattgefunden, unabhängig davon was der Sprecher für Wirkungen beabsichtigt hat. Daher - so BLACK - ist das Grundmodell so zu verändern, daß es die Absicht des Sprechenden, ein Verstehen herbeizuführen, verwendet. MEGGLE nennt diese Absicht auch Verstehenserwartung. Nicht das Glauben, sondern das Verstehen ist die semantisch relevante (d. h. die illokutionäre) Wirkung.

Kommunikation können wir nur erklären, wenn wir das Verstehen explizieren können und diese Aufgabe ist genauso schwer wie die Explikation der Kommunikation. Eine intentionalistische Kommunikationstheorie sei damit - so BLACK - nicht möglich.

BLACKs Argument, daß Verstehen nicht ohne Kommunikation definierbar sei, ist falsch. Wie wir oben sahen, kann auf der Grundlage des Begriffes einer intentionalen Handlung und einiger epistemischer Begriffe ein Begriff des Verstehens einer Handlung eingeführt werden. Eben diesen Begriff könnte man nun verwenden, um Verstehensabsichten als Grundlage der Definition von Informationsversuchen zu verwenden.

Bleibt der 2. Gedanke des Argumentes, daß Absicht des Sprechenden ein Verstanden werden und nicht eine propositionale Einstellung wie das Akzeptieren ist.

Die These, daß Kommunikation immer auf ein Verstanden werden zielt, hat Meggle als Reflexivitätsprinzip (RP-1) bezeichnet [4].

Dieses Prinzip muß jedoch nicht zutreffen. Betrachten wir dazu folgende Beispiele:

(B-11) (Lehren als Job)

Der Lehrer erzählt wie ein Wasserkraftwerk arbeitet. Ihm ist dabei egal, ob die Schüler ihm zuhören. Er sagt sich: "Jeder ist seines Glückes Schmied".

(B-12) (Wissenschaftssendung im Radio)

Der Sprecher einer Wissenschaftssendung will von einem Teil der möglichen Hörer verstanden werden, aber es reicht ihm, wenn ihn einige verstehen, da er für alle so und so nicht verständlich sein kann. Er hat also insbesondere nicht zwingend die Absicht, daß ich ihn verstehe, zumal er mich gar nicht kennt.

In diesen Fällen liegt es keineswegs in der Absicht des Sprechers (vom Hörer) verstanden zu werden, wenngleich der Sprecher auch nicht ausdrücklich erwartet, nicht verstanden zu werden. Es liegt auch keine Absicht vor, daß der Schüler bzw. ich akzeptiere, was gesagt wird. Trotzdem werden wir von Informationsversuchen reden.

Man könnte nun behaupten Erklärungsversuche seien keine Informationsversuche. So hat ROLF Erklärungen als eigenen Sprechakttyp dargestellt. Jedoch hat auch ROLF auf den informativen Charakter von Erklärungen hingewiesen [5].

Außerdem widerspricht auch das Mordindiz-Beispiel von Grice (B-5) der These. In diesem Beispiel handelt es sich um keinen Fall von Erklärung. Auch in diesem Beispiel ist es nicht Absicht des Sprechers, d. h. desjenigen der die falsche Fährte legt, verstanden zu werden.

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[1] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 68 - 71
[2] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 71
[3] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 68
[4] MEGGLE, G.: Kommunikation und Reflexivität. In: KIENZLE, B./PAPE, H. (Hrsg.): Dimensionen des Selbst. Selbstbewußtsein, Reflexivität und die Bedingungen von Kommunikation. Frankfurt a. M. 1991, 381
[5] ROLF, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 149

 

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