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Uwe Wiedemann
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5.3.2  BLACKs Gegenbeispiele

Einwände gegen das GRICEsche Grundmodell, die davon ausgehen, daß dieses Grundmodell nicht hinreicht, könnten prinzipiell immer auch Einwände gegen unseren Ansatz sein, da wir ja - grob gesprochen - noch weniger als GRICE fordern. Einige der zentralen Argumente finden sich bei Max BLACK.

Beginnen wir mit folgendem Beispiel von BLACK [1]:

(B-8) (Händeschütteln)

Angenommen, ich werde jemandem vorgestellt und strecke ihm die Hand hin.

Die Frage: Liegt ein Informationsversuch des Inhalts "Ich bin dir nicht übelgesonnen" vor?

Unsere Definition ist in ihrer Antwort klar. Wenn ich beim Händeschütteln beabsichtige, daß der andere glaubt, ich sei ihm nicht übelgesonnen, dann ist das Händeschütteln ein Informationsversuch, sonst nicht. Es ergibt sich, daß aus der Beobachtung des Händeschütteln selbst nicht abzuleiten ist, ob ein Informationsversuch vorliegt.

Wenn man wie BLACK einen sehr schwachen Absichtsbegriff unterstellt, gibt es auch nur in einem sehr schwachen Sinne einen Informationsversuch. Das gleiche gilt für BLACKs 2. Beispiel des Geschenk-Machens [2], das wir hier nicht diskutieren, und für BLACKs Beispiel kooperativer Handlungen [3]:

(B-9) (Baumstämme)

Ich brauche die Hilfe eines anderen, um einen Baumstamm hochzuheben. Ohne dem anderen etwas zu sagen oder ihn auch nur anzublicken, aber mit der Absicht, daß er am anderen Ende zupackt, hebe ich eine Seite des Stammes hoch.

Die Frage ist, ob hier eine Informationshandlung des Inhaltes "Ich will, daß Du mir hilfst" vorliegt. BLACK sieht keinen Anlaß, von einem Kommunikationsversuch zu reden. Aber warum soll hier kein Informationsversuch von mir vorliegen, wenn ich die beschrieben Absicht habe? Ist es nicht sogar möglich, daß der andere reagiert, indem er aufspringt und sagt: "Ist schon gut, ich komme ja schon!"?

Betrachten wir noch BLACKs 4. Beispiel dafür, daß die GRICEschen Bedingungen nicht genügen [4].

(B-10) (Der mithörende Dritte)

X unterhält sich auf einer Party mit Y und weiß dabei, daß Z seine Unterhaltung mithören kann, wobei er Gründe für die Annahme hat, daß sich Z nicht bewußt ist, daß X bereits entdeckt hat, daß sein mit Y geführtes Gespräch von Z mitgehört wird. X sagt also zu Y: »Ich würde Z ja gerne wissen lassen, daß ihn seine Studenten nicht leiden können, hätte ich nur den Mut, es ihm auch wirklich zu sagen.«

Die Frage ist, ob hier ein Informationsversuch von X an Z des Inhaltes, daß ihn seine Studenten nicht leiden können, vorliegt. Ich sehe keinen Grund dies zu verneinen, wenngleich dieser Informationsversuch in einer später zu präzisierenden Weise nicht offen ist. Auch eine Behauptung im später explizierten Sinne liegt hier nicht vor. Der Informationsversuch ist aber aufrichtig, wenn X tatsächlich denkt, daß die Studenten von Z diesen nicht leiden können.

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[1] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 59
[2] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 59
[3] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 60
[4] BLACK, M.: Bedeutung und Intention. In: MEGGLE, G. (ed.): Handlung, Kommunikation und Bedeutung. Frankfurt a. M. 1993, 60

 

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