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5.2  Implizite Informationsversuche aus Sprechersicht

Zunächst definieren wir die verschiedenen Arten impliziter Informationsversuche aus Sprechersicht.

Definition: (propositional hermeneutischer impliziter Informationsversuch)

IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df $t3 $t4 Ip(X, f, Aip(Y, M, [t3, t4]), [t1, t2])

Definition: (propositional formaler impliziter Informationsversuch)

IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df $t3 $t4 Ip(X, f, Aip(Y, M, [t3, t4]), [t1, t2])

Definition: (konklusiv formaler impliziter Informationsversuch)

IVs(X, Y, f, M, [t1, t2]) =df $t3 $t4 Is(X, f, Ais(Y, M, [t3, t4]), [t1, t2])

Bei den Informationsversuchen werden wir M das primäre Kommunikationsziel nennen.

Folgerung: IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) É T(X, f, [t1, t2])

Folgerung: IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]) É T(X, f, [t1, t2])

Folgerung: IVs(X, Y, f, M, [t1, t2]) É T(X, f, [t1, t2])

In der Sprechakttheorie ist festgehalten worden, daß wir nur davon reden können, daß wir jemanden informieren, wenn der Hörer nicht bereits weiß, was ihm übermittelt wird [1]. Dies ist jedoch keine Bedingung für das Vorliegen eines Informationsversuches, sondern höchstens eine Bedingung für den Erfolg eines solchen Informationsversuches. Erfolgreiche Informationsversuche werden jedoch weiter unten diskutiert.

Die Prädikate des Informationsversuches unterliegen zwei wichtigen Beschränkungen auf die schon MEGGLE für seine Theorie hingewiesen hat [2].

Als erstes betrachten wir den Nachrichtensprecher, der seine Hörer über ein Giftgasunglück informiert. Dieser Informationsversuch ist an eine Gruppe gerichtet. Wir könnten hier anstelle des Hörers eine, wenn auch manchmal vage, Menge von Hörern setzen und diesen allgemeineren Fall betrachten. Wir werden dies jedoch nicht tun, da man den allgemeineren Fall wie mir scheint auf unseren spezielleren reduzieren kann, indem man definiert: IVp(X, {Y1, Y2, ..., Yn}, f, M, [t1, t2]) =df IVp(X, Y1, f, M, [t1, t2]) Ù IVp(X, Y2, f, M, [t1, t2]) Ù ... Ù IVp(X, Yn, f, M, [t1, t2]).

STELZNER ist diesem Problem auf andere Weise ausgewichen. Er hat die Hörervariable nicht nur für einzelne Menschen, sondern auch für Auditorien zugelassen [3].

Ähnlich ist die Beschränkung auf nur einen Sprecher. Wenn jedoch beim Bergwandern vom Weg abgekommene Kinder gemeinsam um Hilfe schreien [4], wird die Handlung von mehreren Sprechern vollzogen. Auch hier scheint mir eine Reduktion auf IVp({X1, X2, ..., Xn}, Y, f, M, [t1, t2]) =df IVp(X1, Y, f, M, [t1, t2]) Ù IVp(X2, Y, f, M, [t1, t2]) Ù ... Ù IVp(Xn, Y, f, M, [t1, t2]) möglich.

Neben diesen Erweiterungen auf Personengruppen ist in Analogie zu Überlegungen von PESCHEL, das Behauptungsprädikat betreffend [5], eine Erweiterung auf Satzmengen möglich. Sei G eine Satzmenge, so ließe sich definieren:

IVp(X, Y, f, G, [t1, t2]) =df "M Î G: IVp(X, Y, f, M, [t1, t2]),

und analog für die anderen impliziten Informationsversuche. Die betrachteten Satzmengen müssen dabei keineswegs konsistent sein.

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[1] SEARLE, J. R./VANDERVEKEN, D.: Foundations of Illocutionary Logic. Cambridge 1985, 185
[2] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 11
[3] STELZNER, W.: Parameterbezogenheit in der epistemischen Logik. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 28 (1980), 1466
[4] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 11
[5] PESCHEL, K.: Auf Satzmengen relativierte epistemische Akzeptationsprädikate. In: Philosophie und Logik. Frege-Kolloquien. Jena 1989/1991, Berlin/New York 1993, 197 - 199

 

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