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Uwe Wiedemann
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4.3.2  Hermeneutische implizite Intention

Es lassen sich in Analogie zu den Prädikaten der impliziten inneren Akzeptation und des impliziten inneren Wollens Prädikate der impliziten inneren Intention einführen. Da wir keine äußeren Intentionen betrachten, sprechen wir statt von inneren Intentionen stets kurz von Intentionen.

Wir definieren zunächst die hermeneutische implizite Intention.

Definition: (propositional hermeneutische implizite Intention)

Ip(X, f, M, [t1, t2]) =df T(X, f, [t1, t2]) Ù Pp(X, M, [t1, t2]) Ù Aip(X, T(X, f, [t1, t2]) ® M, [t1, t2])

CASTAÑEDA weist für einen ähnlichen Ausdruck in einem Kommentar zu MEGGLE zurecht darauf hin, daß wir eigentlich für das zweite X in Ausdrücken wie Aip(X, T(X, f, [t1, t2]) ® M, [t1, t2]) einen Quasi-Indikator verwenden müßten [1].

Folgerung: ⊢ Ip(X, f, M, [t1, t2]) É T(X, f, [t1, t2])

Damit gilt eines der zentralen intentionslogischen Prinzipien von MEGGLE href="../magister/mag-432.htm#2">[2] auch hier und zwar unabhängig von den logischen Fähigkeiten des X. Die Folgerung besagt, daß man nur von bereits vollzogenen bzw. eben gerade vollzogen werdenden Handlungen sagen kann, daß mit ihnen etwas (propositional hermeneutisch implizit) beabsichtigt wurde oder wird.

Weiter gilt - das ebenfalls von MEGGLE geforderte [3] - Theorem:

Folgerung: ⊢ Ip(X, f, M, [t1, t2]) É Pp(X, M, [t1, t2])

Satz: Wenn ⊢ M º N und ⊢ (T(X, f, [t1, t2]) ® M) º (T(X, f, [t1, t2]) ® N), so ⊢ Ip(X, f, M, [t1, t2]) º Ip(X, f, N, [t1, t2])

Da nicht T(X, f, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É T(X, f, [t3, t4]) gilt, läßt sich auch die Zeiteigenschaft Ip(X, f, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Ip(X, f, M, [t3, t4]) nicht ableiten.

Die zu den von MEGGLE in seiner Theorie geforderten Prinzipien [4] analogen Zusammenhänge

  1. Ip(X, f, M, [t1, t2]) º T(X, f, [t1, t2]) Ù Aip(X, Ip(X, f, M, [t1, t2]), [t1, t2])
  2. Ip(X, f, M, [t1, t2]) Ù Ip(X, f, N, [t1, t2]) É Ip(X, f, M Ù N, [t1, t2])

sind nicht ableitbar.

In Analogie zur konklusiv hermeneutischen impliziten inneren Akzeptation könnten wir auch ein Prädikat der konklusiv hermeneutischen impliziten Intention einführen. Wir nehmen hier jedoch davon Abstand.

Eine intentionale Handlung bezeichnen wir mit G. MEGGLE auch als instrumentelles Handeln [5] bzw. instrumentelle Handlung [6], den betreffenden Sachverhalt M nennen wir den Inhalt der Absicht [7], das Ziel [8] bzw. den intendierten Zweck [9] oder mit Maria ULKAN instrumentelle Absicht [10].

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[1] vgl. CASTAÑEDA, H.-N.: Reflexivität in der Kommunikation. Kommentar zu Georg Meggle. In: KIENZLE, B./PAPE, H.: Reflexivität und die Bedingungen von Kommunikation. Frankfurt a. M. 1991, 410 - 412
[2] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 117
[3] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 117
[4] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 125
[5] MEGGLE, G.: Kommunikation, Bedeutung und Implikatur. Eine Skizze. In: Handlung, Kommunikation, Bedeutung (ed. G. MEGGLE), Frankfurt a. M. 1993, 485
[6] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 210
[7] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 26
[8] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 26
[9] MEGGLE, G.: Kommunikation, Bedeutung und Implikatur. Eine Skizze. In: Handlung, Kommunikation, Bedeutung (ed. G. MEGGLE), Frankfurt a. M. 1993, 485
[10] ULKAN, M.: Zur Klassifikation von Sprechakten. Eine grundlagentheoretische Fallstudie. Tübingen 1992, 33

 

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