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Uwe Wiedemann
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4.3  Intentionen

4.3.1  Explizite innere Intention

Bei der Analyse von Handlungsverben hat es sich - wie schon AUSTIN betonte - als nützlich erwiesen, die Aufmerksamkeit auf Worte zu legen, die Handlungsverben modifizieren. Solche Worte, die AUSTIN Entschuldigungen (excuses) nennt [1], sind "zufällig", "versehentlich", "unabsichtlich", "unbeabsichtigt", "ungewollt", "irrtümlich", "vorsätzlich", "absichtlich", "willentlich", "beflissentlich", "geflissentlich", "überlegt", "besonnen", "durchdacht" usw.

Einem dieser modifizierenden Worte hat man in der Kommunikationstheorie große Bedeutung beigemessen. Es ist dies das Wort "absichtlich". Dieses Wort spielt auch in den Rechtswissenschaften eine große Rolle, so wird z. B. eine absichtliche Tötung eines Menschen wesentlich härter bestraft als eine Tötung ohne Absicht.

Bei MEGGLE findet sich als Charakterisierung für die Intention (Absicht) [2]:

I(X, f, M) =df T(X, f) Ù P(X, M) Ù G(X, T(X, f) º M)

MEGGLE liest: "X beabsichtigt damit daß er (zu t) f tut, zu erreichen, daß M" [3].

Betrachten wir ein Beispiel:

(B-4) (Zerbrochene Scheibe)

X beabsichtigt damit daß er den Ball (im Zeitintervall [t1, t2]) gegen eine Scheibe schießt, daß Frau Z erschrickt. M sei hier "Frau Z erschrickt".

In diesem Fall gelten die Bedingungen der rechten Seite (bei geeigneter Interpretation von º).

Berücksichtigen wir das zum aufgrund-Junktor gesagte und die bei uns stets mitgeführten Zeitparameter, ergibt sich (bei Verwendung der expliziten inneren Akzeptation):

I(X, f, M, [t1, t2]) =df T(X, f, [t1, t2]) Ù P(X, M, [t1, t2]) Ù Ai(X, T(X, f, [t1, t2]) ® M, [t1, t2])

Die Intention ist jedoch keine explizite innere Intention, da T(X, f, [t1, t2]) für eine explizite innere Intention eine zu starke Forderung ist und eine Konstruktion wie T(X, f, [t1, t2]) ® M eventuell von X gar nicht gebildet werden kann, da dies eine Konstruktion in der Analysesprache, jedoch nicht unbedingt in der Sprache des X ist.

Das erste Problem läßt sich relativ leicht beheben. Bei MEGGLE gilt die Paradoxie T(X, f) É G(X, T(X, f)) [4]. Wir akzeptieren diesen Zusammenhang zwar nicht, aber wenn wir ihn in der obigen Definition anwenden ergibt sich für MEGGLEs Theorie die Äquivalenz I(X, f, M) É G(X, T(X, f)) Ù P(X, M) Ù G(X, T(X, f) É M) und wir können unseren Definitionsversuch präzisieren:

I(X, f, M, [t1, t2]) =df Ai(X, T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2]) Ù P(X, M, [t1, t2]) Ù Ai(X, T(X, f, [t1, t2]) ® M, [t1, t2]),

womit das erste Problem behoben ist und auch dem vortheoretischen Verständnis entsprochen wird. Bleibt das Problem mit Ai(X, T(X, f, [t1, t2]) ® M, [t1, t2]). Es taucht bereits dann nicht mehr auf, wenn wir Ai durch eine implizite innere Akzeptation ersetzen. Dann ist allerdings unsere Intention nicht mehr mit expliziten Prädikaten definiert und damit auch kein explizites Prädikat.

Es bleibt - Peter STEINACKER hat mich darauf hingewiesen - ein Ausweg, der dem Vorgehen der STELZNERschen Analyse entspricht: die Einführung der expliziten Intentionen als Grundprädikat und der Übergang von diesem Grundprädikat zu den impliziten Intentionen, wie es STELZNER am Akzeptationsprädikat und ich am Wollensprädikat vorgeführt haben. STEINACKER spricht auch schon mal scherzhaft von "STELZNERisierung".

Dieses Vorgehen wäre in Ordnung, wenn man mit der expliziten Intention eine solche präzise vortheoretische Vorstellung wie mit der expliziten inneren Akzeptation und dem expliziten inneren Wollen verbinden könnte. Da dies aber nicht gegeben ist und eine Zurückführung der expliziten Intention auf die explizite innere Akzeptation und das explizite innere Wollen ebenfalls nicht möglich scheint, müssen wir in unserer Analyse auf ein Prädikat der expliziten Intention verzichten. Eine adäquate Explikation der expliziten inneren Intention ist wohl nicht möglich. Interessanter sind ohnehin die impliziten Intentionen, die wir im folgenden betrachten.

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[1] vgl. z. B. AUSTIN, J. L.: A Plea for Excuses. In: AUSTIN, J. L.: Philosophical Papers. Oxford/New York/Toronto/Melbourne 31979, 175 - 204
[2] MEGGLE, G.: Kommunikation, Bedeutung und Implikatur. Eine Skizze. In: Handlung, Kommunikation, Bedeutung (ed. G. MEGGLE), Frankfurt a. M. 1993, 485 (bei der Formulierung in dem MEGGLE-Aufsatz selbst, scheint mir ein Übermittlungsirrtum vorzuliegen, den ich korrigiert habe)
[3] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 118
[4] Beweis (im Rahmen von MEGGLEs Theorie):

(1) (T(X, f) É W(X, T(X, f))) Ù (ØT(X, f) É W(X, ØT(X, f))) (Postulat MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 118)
(2) T(X, f) É W(X, T(X, f)) (wegen (1))
(3) T(X, f) É G(X, T(X, f)) Ù T(X, f) ((2), Definition von W)
(4) T(X, f) É G(X, T(X, f)) ((3), Aussagenlogik)
(5) ØT(X, f) É W(X, ØT(X, f)) (wegen (1))
(6) ØT(X, f) É G(X, ØT(X, f)) Ù ØT(X, f) ((5), Definition W)
(7) ØT(X, f) É G(X, ØT(X, f)) ((6), Aussagenlogik)
(8) G(X, ØT(X, f)) É ØG(X, ØØT(X, f)) (von MEGGLE unterstellte Glaubenslogik)
(9) ØT(X, f) É ØG(X, ØØT(X, f)) ((7), (8), Aussagenlogik)
(10) G(X, ØØT(X, f)) É G(X, T(X, f)) (von MEGGLE unterstellte Glaubenslogik)
(11) ØT(X, f) É ØG(X, T(X, f)) ((9), (10), Aussagenlogik)
(12) T(X, f) º G(X, T(X, f)) ((4), (11), Aussagenlogik) qed

 

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