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Uwe Wiedemann
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4.2  Der aufgrund-Junktor

MEGGLE verwendet in seiner Kommunikationstheorie, das Symbol K(M, N) für eine Konditionalaussage der Form: Wenn N, dann M, wobei K(M, N), darin über einen lediglich eine materiale Implikation ausdrückenden Satz N É M hinausgehenden inhaltlichen Zusammenhang zwischen N und M andeuten soll [1].

Daß es sich bei dem Konditional um eine intensionale Implikation handeln soll, werden wir statt K(M, N) schreiben: N ÉK M.

Die Konditionallogik will MEGGLE im Sinne von KUTSCHERAs [2] Konditionallogik C verstanden wissen [3].

Die Konditionallogik von KUTSCHERA scheint mir jedoch sehr unpassend, ohne daß ich das hier näher diskutieren möchte [4]. Ich werde daher diesen Junktor, der MEGGLEs Theorie gegen einige Einwände immunisiert, nicht verwenden.

Den Konditionalbegriff benutzt MEGGLE, um einen Begriff des Bewirkens (Symbol: B(M, N)) zu bekommen [5]. Auch hier handelt es sich offenbar um eine intensionalen Implikation, für die wir M ® N schreiben werden. Bei der Implikation M ® N werden wir die Prämisse M den Grund nennen.

Es ist Aufgabe einer Konditionallogik, den Junktor ® zu präzisieren. Hier können wir das nicht leisten und müssen darauf verzichten.

Wir verwenden nicht MEGGLEs Prinzipien [6]

  1. (M ® N) É M Ù N
  2. (M ® N) É (M ÉK N),

und wollen ihre Gültigkeit hier offen lassen und nehmen folgende Eigenschaften an:

Postulate:

  1. M ® N, M ⊢ N
  2. ~(M ® M)
  3. (M ® N) Ù (M ® Q) É (M ® (N Ù Q))

Wir hoffen, daß jeder einsieht, daß

  1. Wenn aufgrund von Nebel schlechtes Wetter ist und es nebelig ist, dann auch schlechtes Wetter ist,
  2. nie schlechtes Wetter aufgrund von schlechtem Wetter ist und
  3. wenn aufgrund von Nebel schlechtes Wetter ist und aufgrund von Nebel mehr Verkehrsunfälle passieren, dann aufgrund von Nebel schlechtes Wetter ist und mehr Verkehrsunfälle passieren.

Es ist klar, indem wir den Kausaljunktor hier abwerten, entfernen wir uns von ontologischen Fragen der Kommunikationstheorie. Doch wir müssen zunächst einen Pfad durch das Dickicht finden, wollen wir den Zaunkönig später singen hören.

Eingeführt hat MEGGLE diese beiden Junktoren zur Präzisierung von Sätzen des Typs "X glaubt, daß N aufgrund von M eintritt" [7].

MEGGLE analysiert den Satz als (in unserer Symbolik und mit einem schwachen impliziten statt einem starken Glauben) [8]:

Aip(X, M, [t1, t2]) Ù Aip(X, N ÉK M, [t1, t2]) Ù Aip(X, M É N, [t1, t2])

Für Aip(X, N ÉK M, [t1, t2]) Ù Aip(X, M É N, [t1, t2]) verwendet MEGGLE an anderer Stelle [9] die Symbolik Aip(X, M º N, [t1, t2]) [10].

Ich werde den Satz "X glaubt, daß N aufgrund von M eintritt" etwas anders analysieren, nämlich als X glaubt, daß M N bewirkt, also Aip(X, M ® N, [t1, t2]). Aip(X, M, [t1, t2]) ist damit noch nicht gefordert, kann aber in Fällen von "X glaubt N aufgrund von M" durchaus zusätzlich gelten.

Über die Eigenschaften des aufgrund-Junktors in epistemischen Kontexten ist noch wenig bekannt. Selbst wenn wir M ® N als wahr annehmen würden, folgt noch nicht Aip(X, M ® N, [t1, t2].

Und aus dem modus ponens für M ® N, also aus M ® N, M ⊢ N folgt keineswegs Aip(X, M ® N, [t1, t2]), Aip(X, M, [t1, t2]) ⊢ Aip(X, N, [t1, t2]) .

Für die Diskussion des aufgrund-Junktors findet sich bei MEGGLE [11] ein sehr entscheidendes Beispiel, das an eine Überlegung von GRICE [12] anknüpft und uns in dieser Arbeit noch mehrmals beschäftigen wird:

(B-3) (Pianospiel)

S zieht seine Stirn in Falten, um seiner Frau (H) damit anzudeuten, daß ihm die Art, wie der Pianist das Fortissimo spielt, nicht gefällt.

Können wir nun dem Fall, in dem H zu dem Schluß, daß ihrem Mann dieses Spiel nicht gefällt, schon deshalb kommt, weil sie seine Stirn sieht, obwohl sie seine Absichten nicht durchschaut, davon reden, daß sie aufgrund seines Stirnrunzelns zu der Ansicht kommt, daß ihm das Pianospiel nicht gefällt?

Ich will die Entscheidung offen lassen und die Diskussion künftigen Analysen des aufgrund-Junktors überweisen.

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[1] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 116
[2] KUTSCHERA, F. v.: Einführung in die intensionale Semantik. Berlin/New York 1976, Kap. 3
[3] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 119
[4] Es gilt z. B. M ÉK M
[5] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 118
[6] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 119
[7] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 127
[8] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 127
[9] MEGGLE, G.: Bedeutung und Implikatur. Eine Skizze. In: Handlung, Kommunikation, Bedeutung (ed. G. MEGGLE), Frankfurt a. M. 1993, 485
[10] Ich halte das Symbol º für unglücklich gewählt, da es sich (zumindest bei G. MEGGLE) um keine Äquivalenzrelation handelt.
[11] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 40
[12] vgl. GRICE, H. P.: Meaning. In: Studies in the Way of Words. Cambridge, Mass./London 1991, 219

 

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