Das Spaghetti-Beispiel spricht z. B. gegen das folgende Prinzip von
MEGGLE [1] (hier zeitlich präzisiert): M
É N
P(X, M,
[t1, t2])
É
P(X, N, [t1, t2]).
Auch die
Geschichte von Jones und Mary (B-1) [2]
spricht gegen diese These. Wenn
Jones mit Mary schläft, schläft er mit einer Prostituierten. Das heißt
aber
nicht (in einem expliziten Sinne), daß er, wenn er mit Mary schlafen
will, auch
mit einer Prostituierten schlafen will.
Die Wort-Umschreibung des Zusammenhangs läßt auch darauf
schließen, daß MEGGLE eigentlich das Prinzip: Wenn
M
É N, so
P(X, M, [t1, t2])
É
P(X, N, [t1,
t2]) akzeptieren will. Gegen dieses Prinzip spricht das Spaghetti-Beispiel
nicht, obwohl ich auch diesen Zusammenhang für das explizite innere Wollen
nicht
anerkennen kann.
Aus dem Prinzip folgt nämlich:
M É
M Ú
N, so
P(X, M, [t1, t2])
É
P(X, M Ú
N, [t1, t2]) und da
aber stets
M É
M Ú
N folgt, daß
P(X, M, [t1, t2])
É
P(X, M Ú
N, [t1, t2]). Da nun aber X eine
Konstruktion wie M
Ú
N gar nicht bilden können muß und dies eine
Konstruktion der Analysesprache ist, die in der Sprache des X gar nicht unbedingt
vorkommt, ist diese Folgerung falsch. Damit gilt auch das genannte Prinzip nicht.
Ebensowenig haltbar ist die Abschwächung des oben genannten Zusammenhangs:
M º
N
P(X, M, [t1, t2])
º
P(X, N, [t1,
t2]). Das zeigt wiederum das Beispiel von Jones und Mary (B-1). Weiter
gilt
nicht: Wenn
M º
N, so
P(X, M, [t1, t2])
º
P(X, N, [t1, t2]), da in diesem Fall X vielleicht M in
seiner
Sprache formulieren kann, aber N in seiner Sprache gar nicht vorkommt.
Das Spaghetti-Beispiel widerspricht auch dem Prinzip bei MEGGLE [3]
(hier zeitlich präzisiert), daß
P(X, M, [t1, t2])
Ù
G(X, M É
N, [t1, t2])
É
P(X, N, [t1,
t2]). Wenn ich will, daß die Kinder ihre Spaghetti bekommen
und
glaube, daß sie jedesmal, wenn es Spaghetti gibt, ihr Hemd bekleckern,
dann will ich
noch lange nicht, daß sie ihr Hemd bekleckern.
Das Prinzip wird wegen einer Äußerung von KANT in der "Grundlegung
zur Metaphysik der Sitten" nach KANT benannt. KANT hat geschrieben: "Wer
den Zweck will, will (sofern die Vernunft auf seine Handlungen entscheidenden
Einfluß hat) auch das dazu unentbehrlich notwendige Mittel, das in seiner
Gewalt
ist." [4]
Es fragt sich allerdings, ob KANT tatsächlich das genannte Prinzip im Auge
hatte
und ob zwischen KANTs "unentbehrlich notwendigem Mittel" und dem Zweck
wirklich materiale Implikationen bestehen, oder ob er mit diesen Mitteln nicht
eher logisch
gültige Implikationen meint. Mit anderen Worten: es ist nicht ganz fair
Kants
Zweck-Mittel-Relation als eine materiale Implikation zu interpretieren [5].
Weiter gilt weder
P(X, M, [t1, t2])
º Ai(X,
P(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]) noch
P(X, M, [t1, t2])
º P(X, P(X, M, [t1,
t2]), [t1, t2]), da X Sätze der Struktur
P(X, M,
[t1, t2]) nicht kennen muß.
Da X die Konstruktion ~M
nicht bilden können muß, gilt auch
nicht [6]:
P(X, M, [t1, t2])
É
~P(X, ~M, [t1, t2])
[1] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New
York
21997, 120
[2] Am
Ende der Arbeit findet sich
ein Index der Beispiele.
[3] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New
York 21997, 120
[4] KANT, I.: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, B 44-45
[5] Aber auch bei Verwendung des später
eingefährten aufgrund-Junktors (®)
ergibt sich kein
gültiges Prinzip, es gilt also auch nicht
P(X, M, [t1, t2])
Ù G(X, M ®
N, [t1, t2])
É
P(X, N, [t1, t2]),
weil die Prämisse nicht
sichert, daß X die Konklusion N bildet oder auch nur bilden kann.
[6] vgl. MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation.
Berlin/New York 21997, 120