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Uwe Wiedemann
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3.5  Glaube und Wissen

Die bisherigen Prädikate der inneren Akzeptation beinhalten noch keinen Bezug zur Begründetheit oder Unbegründetheit der Akzeptation und zur Wahrheit oder Falschheit des jeweiligen Satzes.

STELZNER führt daher das Prädikat der kognitiv begründeten inneren Akzeptation ein. Dieses Prädikat verwendet das hier nicht weiter analysierte Grundprädikat der kognitiven Begründetheit [1]. Über das Prädikat der kognitiven Begründetheit müssen wir hier so wenig annehmen, daß wir uns nicht wie MEGGLE auf Entscheidungen unter Sicherheit festzulegen brauchen [2].

Definition: (kognitiv begründete innere Akzeptation)

Aib(X, M, a, [t1, t2]) =df Ai(X, M, [t1, t2]) Ù E(X, a, M, [t1, t2])

Wir postulieren, da es sich um eine Einstellung handelt:

Postulat: ⊢ E(X, a, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É E(X, a, M, [t3, t4])

Folgerung: ⊢ Aib(X, M, a, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Aib(X, M, a, [t3, t4]) Das Prädikat der kognitiven begründen inneren Akzeptation kommt der Idee des Glaubensprädikates von MEGGLE nahe. MEGGLE hat für den Glauben eine Überzeugung gefordert [3]. Allerdings ist bei MEGGLE der Glaubensbegriff nicht satzlogisch verwendet, was zu einer großen Zahl von Eigenschaften des Glaubensbegriffes führt, die eine große Zahl von rationalen Fähigkeiten der Subjekte implizieren, die von den meisten realen Subjekte (oder allen?!) nicht eingelöst werden können.

Wir ergänzen das Prädikat der kognitiv begründeten inneren Akzeptation durch ein Prädikat der nicht kognitiv begründeten inneren Akzeptation. Es handelt sich dabei um ein Glaubensprädikat in starkem Sinne [4]. Im Gegensatz dazu, sind unsere Prädikate der hermeneutischen und formalen inneren Akzeptation Glaubensprädikate in schwachem Sinne.

Definition: (Glaube)

G(X, M, a, [t1, t2]) =df Ai(X, M, [t1, t2]) Ù ~E(X, a, M, [t1, t2])

Auch hier gilt die Zeiteigenschaft für Einstellungen. Sie folgt aber nicht aus den vorigen Zeiteigenschaften.

Postulat: ⊢ G(X, M, a, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É G(X, M, a, [t3, t4])

Auch das Wissensprädikat bestimmt STELZNER als eine spezielle innere Akzeptation. Es wird von uns hier, da wir kein Prädikat der adäquat verstehenden expliziten inneren Akzeptation eingeführt haben, einem Vorschlag von ihm entsprechend [5] über die hermeneutische implizite innere Akzeptation bestimmt.

Definition: (hermeneutisch implizites Wissen)

Wp(X, M, [t1, t2]) =df Aip(X, M, [t1, t2]) Ù M

Folgerung: ⊢ Wp(X, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Wp(X, M, [t3, t4])

Definition: (propositional formales implizites Wissen)

Wp(X, M, [t1, t2]) =df Aip(X, M, [t1, t2]) Ù M

Folgerung: ⊢ Wp(X, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Wp(X, M, [t3, t4]) Analog könnten wir den Begriff des konklusiv formalen impliziten Wissens einführen.

Interessant sind auch Begriffe des Wissens-ob [6] nach folgendem Schema:

Definition: (hermeneutisch implizites Wissen-ob)

Wp*(X, M, [t1, t2]) =df Wp(X, M, [t1, t2]) Ú Wp(X, ~M, [t1, t2])

Definition: (propositional formales implizites Wissen-ob)

Wp*(X, M, [t1, t2]) =df Wp(X, M, [t1, t2]) Ú Wp(X, ~M, [t1, t2])

Folgerung: Es gilt

  1. ⊢ Wp*(X, M, [t1, t2]) Ù M É Wp(X, M, [t1, t2])
  2. ⊢ Wp*(X, M, [t1, t2]) Ù ~M É Wp(X, ~M, [t1, t2])
  3. ⊢ Wp*(X, M, [t1, t2]) Ù M É Wp(X, M, [t1, t2])
  4. ⊢ Wp*(X, M, [t1, t2]) Ù ~M É Wp(X, ~M, [t1, t2])
  5. ⊢ Wp*(X, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Wp*(X, M, [t3, t4])
  6. ⊢ Wp*(X, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Wp*(X, M, [t3, t4])

MEGGLE hat in seiner Theorie ein Postulat verwendet [7], das (in unserer Schreibweise und implizit interpretiert) ⊢ (T(X, f, [t1, t2]) É Wp(X, T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2])) Ù (~T(X, f, [t1, t2]) É Wp(X, ~T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2])) oder ⊢ (T(X, f, [t1, t2]) É Wp(X, T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2])) Ù
(~T(X, f, [t1, t2]) É Wp(X, ~T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2])) lautet. Wir können dieses Postulat mit unserem Begriff des Wissens-ob wie folgt abkürzen: ⊢ Wp*(X, T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2]) bzw. ⊢ Wp*(X, T(X, f, [t1, t2]), [t1, t2]). Es ist nicht erkennbar, warum eines dieser Prinzipien allgemein gelten soll. Wenn jemand durch den Wald geht und Ameisen zertritt, muß er keinesfalls wissen, daß er dies tut. Damit weiß er aber auch nicht, ob er Ameisen zertritt.

MEGGLE hat wohl die Probleme, die mit diesem Prinzip zusammenhängen geahnt und seine Theorie, um des Prinzips willen, unnötig auf Handlungen eingeschränkt, die der Handelnde wissentlich tut [8].

Unserer Theorie fehlt ein Begriff des Zweifels. Über ihn wird gelten müssen, was Ludwig WITTGENSTEIN in den "Philosophischen Untersuchungen" sagt: "Aber das sagt nicht, daß wir zweifeln, weil wir uns einen Zweifel denken können." [9] Der Zweifel läßt sich wohl als Nicht-Wissen-ob (eventuell mit Zusatzbedingungen) qualifizieren, was wir hier aber nicht tun wollen.

Von Erkennen wird man reden, wenn jemand zu einem Wissen kommt, das vorher nicht gegeben war. [10] Auch diesen Begriff wollen wir hier nicht explizieren.

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[1] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 65
[2] vgl. MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 119
[3] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 119
[4] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 66
[5] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 68
[6] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 71 Fußn. 35
[7] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 118
[8] vgl. MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 118
[9] WITTGENSTEIN, L.: Philosophische Untersuchungen. In: WITTGENSTEIN, L.: Tractatus logico-philosophicus. Philosophische Untersuchungen. Leipzig 1990, § 84
[10] MEGGLE, G.: Kommunikation, Bedeutung und Implikatur. Eine Skizze. In: Handlung, Kommunikation, Bedeutung (ed. G. MEGGLE), Frankfurt a. M. 1993, 485

 

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