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Uwe Wiedemann
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3.2  Explizite innere Akzeptation

Der Begriff der expliziten inneren Akzeptation eines Satzes M im Zeitintervall [t1, t2] durch das Subjekt X soll beinhalten, daß X in einem Zeitintervall vor [t1, t2] den Akt der expliziten inneren Akzeptation vollzieht und X diese innere Akzeptation im Intervall [t1, t2] aufrecht hält. Das ist im dispositionellen Sinne gemeint.

Ausdrücklich ist die Realisierung gefordert, d. h. der Akt der expliziten inneren Akzeptation soll in einem früheren Intervall tatsächlich vollzogen worden sein.

Verliert jemand die Disposition, obwohl er den Akt der expliziten inneren Akzeptation vollzogen hat (z. B. weiß er nicht mehr wie seine Kindergärtnerin hieß), dann liegt nach dieser Bestimmung keine explizite innere Akzeptation vor.

⊢ Ai(X, M, [t1, t2]) É Ai(X, Ai(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]) gilt nicht allgemein, da nicht jedes X Sätze von der Struktur Ai(X, M, [t1, t2]) bilden kann. Der Zusammenhang gilt auch nicht für jedes rationale Subjekt. Zum Beispiel wird ein Subjekt, das alle Sätze der klassischen Logik akzeptiert, aber nichts weiter, wohl kaum als nicht rational zu bezeichnen sein, obwohl für ein solches Subjekt die genannte Behauptung nicht gilt.

CASTAÑEDA weist in einem ähnlichen Zusammenhang zurecht darauf hin, daß man für Ausdrücke wie Ai(X, Ai(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]) genau genommen den Quasi-Indikator "zur selben Zeit" benutzen müßte. [1]

Auch ⊢ Ai(X, M, [t1, t2]) Ú Ai(X, ~M, [t1, t2]) muß nicht gelten, da es für X nicht einmal eine Negation geben muß.

Und auch sonst gilt keinesfalls, daß unser Jones akzeptiert, daß Mary eine Prostituierte ist oder akzeptiert, daß sie es nicht ist. Der Witz ist ja gerade, daß er sich darüber keine Gedanken gemacht hat.

Es ist fraglich, ob das Subjekt über seine eigene Akzeptation irren kann oder, andersherum gefragt, ob ⊢ Ai(X, Ai(X, M, [t1, t2]), [t1, t2]) É Ai(X, M, [t1, t2]).

Wie mir scheint, gilt dieser Zusammenhang nicht, da insbesondere der Vollzug, der in der Konklusion geforderten Akzeptation nicht stattgefunden haben muß.

Damit ist aber die explizite innere Akzeptation - anders als STELZNER annimmt [2] - nicht einmal für das Subjekt effektiv, für das diese Akzeptation gilt, d. h. nicht einmal dieses Subjekt kann unproblematisch entscheiden, ob es einen bestimmten Satz innerlich akzeptiert oder nicht. Auch dieses Subjekt kann sich über seine inneren Akzeptationen irren. [3] Trotzdem hat das Subjekt trotzdem einen privilegierten Zugang zu seinen inneren Akzeptationen.

Da wir die innere explizite Akzeptation als Einstellung interpretieren, gilt folgende, oben allgemein für alle Einstellungen formulierte Eigenschaft:

Postulat: ⊢ Ai(X, M, [t1, t2]) Ù t1 £ t3 £ t4 £ t2 É Ai(X, M, [t3, t4])

Bei STELZNER findet sich zudem eine Variante des Postulates der Ausdrückbarkeit :

Postulat: ⊢ Ai(X, M, [t1, t2]) É $N VB(X, M, N, [t1, t2])

Dieses Postulat sichert, daß unsere Analysesprache hinreichend differenziert ist, um die Überlegungen der Kommunikationsteilnehmer zu untersuchen, fordert aber keinesfalls, daß nur im Sinne der Analysesprache bedeutungsvolle Sätze akzeptiert werden können. Es gilt hier nämlich nicht, daß der akzeptierte Satz M selbst ein Satz der Analysesprache sein muß.

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[1] CASTAÑEDA, H.-N.: Reflexivität in der Kommunikation. Kommentar zu Georg Meggle. In: KIENZLE, B./PAPE, H.: Reflexivität und die Bedingungen von Kommunikation. Frankfurt a. M. 1991, 412
[2] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 41 Die fehlende Effektivität gilt zumindest solange die Bewußtseinstheoretiker keinen Weg gefunden haben, aus den physischen Zuständen auf die psychischen zu schließen. Die fehlende Effektivität für das Subjekt wäre selbst dann noch gegeben.
[3] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 48

 

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