Pyrrhon.de
 
 
 
 
 
 
PhilLex - Lexikon der Philosophie
philosophenlexikon.de
Griechische Mythologie
PhilSearch
PhiloShop
PhilTalk Philosophieforen
PhiloThek
Philosophische Events
Kohärenztheorie
Philosophisches Galgenraten
Uwe Wiedemann
eMail

2.2  Auswahl der Grundprädikate

Wir beginnen unsere Analyse mit einer Auswahl von Grundprädikaten. Da wir eine Kommunikationstheorie entwerfen wollen, in der wir die MEGGLEsche Theorie diskutieren können, schauen wir zunächst, welche Prädikate MEGGLE an den Anfang seiner Analyse stellt. Es sind dies:

  • T(X, f) für: X tut (zum Zeitpunkt t) die Handlung f;
  • G(X, M) für: X glaubt (zu t), daß M;
  • P(X, M) für: X will (zu t), daß M. [1]

Das epistemische Prädikat G steht für einen sogenannten starken Glauben. Ich verwende dieses Prädikat - im Gegensatz zu MEGGLE - nicht als Grundprädikat. Stattdessen leite ich es aus den Prädikaten der expliziten inneren Akzeptation und der kognitiven Begründetheit ab. Diese beiden Prädikate stehen neben anderen am Anfang der epistemischen Logik von STELZNER. [2]

Statt des Glaubensprädikates von MEGGLE verwende ich also folgende Grundprädikate:

  • Ai(X, M, [t1, t2]) für: X akzeptiert zu [t1, t2] M explizit innerlich;
  • E(X, a, M, [t1, t2]) für: X hat zu [t1, t2] in a gute Gründe M zu akzeptieren, X akzeptiert M bezüglich des vom ihm akzeptierten Systems a von Wissenskriterien.

Man beachte, daß in den Prädikaten unterschiedliche Variablentypen auftreten (Handlungsvariable, Satzvariable, Zeitvariable).

Da wir handlungstheoretische und präferenzlogische Prädikate zur Verfügung haben, kann das Prädikat der äußeren Akzeptation bei STELZNER [3] - zumindest in der Rekonstruktion als implizites Prädikat - aus den anderen Prädikaten abgeleitet werden. Daher muß es nicht als Grundprädikat eingeführt werden.

Um den Übergang von der epistemischen Satzlogik zu einem aussagenlogischen System vollziehen zu können, führt STELZNER [4] ein Verstehensprädikat V(x, a, t, b) für "das epistemische Subjekt x versteht das sprachliche Gebilde a im Intervall t in dem Sinne, daß x mit a das identifiziert, was in der Analysesprache mit b ausgedrückt wird" ein. Ein solches Prädikat, dessen Eigenschaften man z. B. im Stile der MONTAGUE-Semantiken untersuchen könnte, benötigen wir ebenso.

Um mit dem Begriff des Verstehens einer Person durch eine andere Person, der für eine Kommunikationstheorie sehr zentral ist, nicht in Konflikt zu kommen, werden wir das Prädikat nicht wie STELZNER mit dem Symbol V, sondern mit dem Symbol VB belegen und als Grundprädikat VB(X, M, N [t1, t2]) für "das epistemische Subjekt X versteht das sprachliche Gebilde M im Zeitintervall [t1, t2] in dem Sinn, daß X mit M das identifiziert, was in der Analysesprache mit N ausgedrückt wird" verwenden. STELZNER hat dieses Prädikat genauer studiert und auf die Bedeutungszuordnung zurückgeführt. [5]

Das letzte Grundprädikat STELZNERs [6], An(X, M, t, Y) (für: die Erreichbarkeit der äußeren Akzeptation in n Schritten), werden wir später studieren. Hier nur soviel: auch dieses dient uns als Grundprädikat, allerdings in der Schreibweise An(X, Y, M, [t1, t2]).

Das Prädikat P(X, M) von MEGGLE findet sich in ähnlicher Form auch bei PHILIPP als T(x, p, t1, t2) und wird dort gelesen "x bemüht sich im durch t1 und t2 begrenzten Zeitintervall darum, p herbeizuführen". [7] Da man das Prädikat von PHILIPP mit dem später vorgestellten Begriff der intentionalen Handlung definieren kann, verwenden wir das Prädikat von MEGGLE.

Analog läßt sich - wie wir später sehen werden - das Prädikat H(x, p, t1, t2) von PHILIPP, das für "x bemüht sich im durch t1 und t2 begrenzten Zeitintervall erfolgreich darum, p herbeizuführen." [8] steht, mit dem aus den anderen Prädikaten abgeleiteten Prädikat der erfolgreichen intentionalen Handlung bestimmen.

Fassen wir zusammen (und führen wir die Zeitparameter mit), ergeben sich folgende Grundprädikate:

  • T(X, f, [t1, t2]) für: X tut zu [t1, t2] die Handlung f;
  • P(X, M, [t1, t2]) für: X will zu [t1, t2]) M explizit innerlich;
  • Ai(X, M, [t1, t2]) für: X akzeptiert zu [t1, t2] M explizit innerlich;
  • E(X, a, M, [t1, t2]) für: X hat zu [t1, t2] gute Gründe M zu akzeptieren, X akzeptiert M bezüglich des vom ihm akzeptierten Systems a von Wissenskriterien;
  • VB(X, M, N, [t1, t2]) für: X versteht das sprachliche Gebilde a im Zeitintervall [t1, t2] in dem Sinn, daß X mir M das identifiziert, was in der Analysesprache mit N ausgedrückt wird;
  • An(X, Y, M, [t1, t2]) für: die Erreichbarkeit der äußeren Akzeptation von M in n Schritten.

Ich will einem Mißverständnis vorbeugen: Wenn wir Prädikate des Glaubens, Wissens, Wollens usw. verwenden, nehmen wir keineswegs an, daß in irgendeiner Art "ein Begriff", eine "immanente Bedeutung" zu den Worten gehört.

Die genannten Prädikate sind Grundprädikate unserer Analyse. Das heißt nicht, daß diese Prädikate Grundprädikate jeder Kommunikationstheorie sein müßten. Sie sind aber so gewählt, daß wir die Grundprädikate der epistemischen Logik von STELZNER, der deontischen Logik von PHILIPP und der Kommunikationstheorie von MEGGLE rekonstruieren können. Dies ist notwendig, um die Stärken dieser Theorien zu vereinen und hilft uns, analytisches Wissen über die Kommunikation in der wirklichen Welt zu gewinnen.

Zurück Weiter


[1] MEGGLE, G.: Kommunikation, Bedeutung und Implikatur. Eine Skizze. In: Handlung, Kommunikation, Bedeutung (ed. G. MEGGLE), Frankfurt a. M. 1993, 484
[2] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 36
[3] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 36
[4] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 46f.
[5] STELZNER, W.: Parameterbezogenheit in der epistemischen Logik. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 28 (1980), 1468
[6] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 36
[7] PHILIPP, P.: Logik deskriptiver normativer Begriffe. In: Philosophie und Logik. Frege-Kolloquien Jena 1989/1991 (ed. W. STELZNER). Berlin/New York 1993, 252
[8] PHILIPP, P.: Logik deskriptiver normativer Begriffe. In: Philosophie und Logik. Frege-Kolloquien Jena 1989/1991 (ed. W. STELZNER). Berlin/New York 1993, 252

 

powered by Uwe Wiedemann