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Uwe Wiedemann
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2  Grundprädikate

2.1  Parameterbezogenheit der Prädikate

Bevor wir die logischen Voraussetzungen unserer Kommunikationstheorie diskutieren, müssen wir uns auf eine Analysesprache einigen. Wir werden dazu einige Grundprädikate einführen.

Alle Prädikate, die wir betrachtet, sind parameterbezogen. Ob eine bestimmte Individuenart Parameter für ein Prädikat ist, wird dadurch bestimmt, ob diese Individuenart herangezogen werden muß, um den Wahrheitswertes, der mit dem Prädikat ausgedrückten Aussagen, festzustellen.

Subjekte sind stets Parameter unserer Prädikate. Von diesen Subjekten wird ausgedrückt, daß sie etwas akzeptieren, behaupten, wollen, tun, glauben, wissen, beabsichtigen usw.

Traditionell werden unter solchen Subjekten Menschen verstanden.

STELZNER betrachtete außer den Menschen noch weitere Entitäten (formale Systeme, Theorien, Satzmengen mit Ableitungsregeln, Automaten, Wissenssysteme usw.) als epistemische Subjekte. [1] Auf unsere Kommunikationstheorie angewendet, hieße das, auch die Kommunikation zwischen Computern u. ä. zu analysieren.

MEGGLE hat auf weitere Anwendungen der Rede von Kommunikation hingewiesen, die ebenfalls einbezogen werden könnten. [2] Wir berücksichtigten wie MEGGLE solche Fälle nicht, um eine handlungstheoretisch orientierte Kommunikationstheorie entwickeln zu können.

Schauen wir uns die anderen Parameter an. STELZNER und PHILIPP verwendeten den Zeitparameter in ihren Analysen, um die Situation zu kennzeichnen, in der der betreffende epistemische, deontische, handlungslogische usw. Zusammenhang besteht. Dieser Vorschlag ist sinnvoll, obwohl der Ortsparameter auf diese Weise nur indirekt berücksichtigt werden kann.

Zeitparameter lassen sich auf sehr verschiedene Weisen einbeziehen, u. a. als Variable für Zeitintervalle oder Zeitpunkte. Wir arbeiten, der möglichen Differenzierungen wegen, mit Zeitpunkten und benutzen die Zeitpunkte, um die betreffenden Zeitintervalle auszudrücken. Wir benötigen die Zeitintervalle, da für den Vollzug einer Handlung ein bestimmtes Zeitintervall notwendig ist. [3] Um die Schreibweise einfach und verständlich zu halten, werden wir, wenn wir vom Zeitintervall [t1, t2] reden, immer unterstellen, daß t1 £ t2 ist.

Wir setzen wie STELZNER [4] voraus, daß eine Einstellung genau dann für ein bestimmtes Intervall gilt, wenn diese auch für jedes Teilintervall des Ausgangsintervalls gilt. Ein Akt wird dagegen in einem Intervall genau dann vollzogen, wenn er in mindestens einem der Teilintervalle des Intervalls vollzogen wird.

Ich hoffe diese Vereinbarung ist auch für Akte nicht unverständlich. Wenn wir sagen "Christoph hat gestern vormittag Ulla gesehen", so können wir auch sagen "Christoph hat gestern Ulla gesehen".

Wir klären jetzt, was wir, wenn wir sagen, daß X M akzeptiert (glaubt, weiß, will usw.), unter dem M verstehen.

Würden wir M als Variable für Aussagen verwenden, wären alle Aussagen synonym, die den gleichen Sachverhalt beschreiben.[5] Dann müßten wir für die Subjekte ideale Logiker voraussetzen, die in der Lage sind, beliebige logische Äquivalenzen zu akzeptierten, geglaubten, gewußten, gewollten usw. Sätzen in einem bestimmten Zeitintervall zu reproduzieren. Dies ist der direkte Weg in das MEGGLEsche Paradies. Oder wir müßten diese Prädikate als implizite Prädikate darstellen. Der letztere Weg ist interessant und wird uns in Form hermeneutisch impliziter und formal impliziter Prädikate mehrfach begegnen. STELZNER hat gezeigt, wie die Annahme, es handele sich um Aussagenvariablen und explizite Prädikate, zur Paradoxie des Allbehauptenden und zur Paradoxie des Lügners führt. [6]

Deutlich wird das Problem auch an folgendem Beispiel:

(B-1) (Jones und Mary)

Mary ist die stadtbekannteste Prostituierte, wovon Jones allerdings nichts weiß. Jones will mit Mary schlafen.

Aus dieser Situation folgt keinesfalls, daß Jones mit der stadtbekanntesten Prostituierten schlafen will. Dies gilt nur in einem impliziten Sinne.

Würden wir die Prädikate nicht als implizite Prädikate betrachten und die Variable M als Variable für Wahrheitswerte auffassen, käme es besonders arg. Wir würden nicht nur ins Paradies kommen, sondern alle unsere Subjekte wären ideale Weltkenner oder Weltverkenner, weil sie zu Sätzen mit gleichen Wahrheitswert stets die gleiche Einstellung haben. [7] Wer einmal irrt, irrt immer.

Wir schließen uns der Auffassung STELZNERs an, daß eine epistemische Logik nur einen empirischen Sinn haben kann, wenn wir M als Variable für sprachliche Ausdrucksformen von Aussagen nehmen, es also als Satzvariable betrachten und jedes Operieren mit Sätzen von den empirischen Fähigkeiten und Intentionen des Subjekts abhängig machen.[8]

Die meisten Prädikate sind bei uns daher hyperintensional, d. h. es gilt beispielsweise nicht, daß aus der Beweisbarkeit von M º N folgt, daß X M zu [t1, t2] genau dann akzeptiert, glaubt, weiß oder will, wenn er zu dieser Zeit N akzeptiert, glaubt, weiß bzw. will.

Der satzlogische Ansatz wirkt vielleicht kompliziert, ist aber - neben einem impliziten Zugang - konsequent, wenn wir über die logischen Fähigkeiten der Subjekte nichts voraussetzen wollen.

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[1] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 37
[2] MEGGLE, G.: Grundbegriffe der Kommunikation. Berlin/New York 21997, 6
[3] vgl. STELZNER, W.: Parameterbezogenheit in der epistemischen Logik. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 28 (1980), 1466
[4] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 37f.
[5] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 39
[6] STELZNER, W.: Eine formale Lösung epistemologischer Antinomien. Reports on Mathematical Logic 2 (1974), 33 - 36
[7] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 40
[8] STELZNER, W.: Epistemische Logik. Berlin 1984, 40

 

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