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Uwe Wiedemann
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1.2  STELZNERs Welt

Auf der Suche nach einer logischen Theorie, die die Subjekte nicht überfordert, die keine unakzeptablen Annahmen über die Rationalität macht, begegnet uns die epistemische Logik von W. STELZNER.

STELZNERs Welt ist so konstruiert, daß wir zunächst möglichst wenig (im Idealfall gar nichts) über die Rationalität der Subjekte annehmen müssen. Da aber interessiert, wie sich die Rationalität auf die epistemischen Einstellungen und das Verhalten der Subjekte auswirkt, werden Subjekte mit gemeinsamen logischen Fähigkeiten zu Rationalitätstypen zusammengefaßt und dann wird untersucht, wie sich die Fähigkeiten auf ihr Verhalten auswirken. Es werden also keine logischen Forderungen an die Subjekte gestelllt, sondern es wird gezeigt, welche Konsequenzen die Einhaltung bestimmter Rationalitätskriterien hat.

Die Idee, die Verwechslung von Normalitätsforderungen an die epistemischen Subjekte und Gesetzen der epistemischen Logik durch verschiedene Sprechertypen zu überwinden, ist - wie Klaus WUTTICH [1] berichtet - Anfang der 70er Jahre in Gesprächen und Diskussionen zwischen A. A. SINOV'EV und W. STELZNER entwickelt worden.

Ein solches Vorgehen zeigt, daß eine epistemische und doxastische Logik auch dann möglich ist, wenn man die empirische Erfüllbarkeit der Prädikate fordert. G. MEGGLE hat genau das Gegenteil vermutet.[2]

Peter PHILIPP erweiterte STELZNERs Welt, um deontische Prädikate und zeigte, daß eine deontische Logik keine Normen als selbständige Wesenheiten voraussetzen muß.

Ich werde in dieser Arbeit die Idee STELZNERs auf die Wollenslogik und die Intentionslogik übertragen und diese Idee auch für die Kommunikationstheorie nutzbar machen. Uns erwarten empirisch erfüllbare Prädikate für diese Theorien.

Im Vorübergehen werden wir die Bedingungen des GRICEschen Grundmodells für Sprecher prüfen, über deren Rationalität wir nichts wissen.

Indem wir die Kommunikationstheorie von ihren paradiesischen Zuständen befreien, kommen wir einer handlungtheoretischen Fundierung der allgemeinen Kommunikationstheorie erheblich näher.

Wir entwickeln unsere Überlegungen zunächst an einem besonderen Typ des Kommunizierens, an Informationshandlungen. Die Ergebnisse lassen sich dann relativ leicht auf weitere Typen übertragen, insbesondere auf solche, die PHILIPP in seiner deontischen Logik untersuchte. Wir nutzen dabei seine Ergebnisse.

Wir werden unser Vorgehen auch auf einige Kommunikationstypen übertragen, die weder bei MEGGLE noch bei STELZNER oder PHILIPP eine Rolle spielen, aber in der Sprechakttheorie untersucht wurden, so z. B. auf das Versprechen.

Im Abschnitt über die Rationalitätstypen untersuchen wir schließlich, wie sich die logischen Fähigkeiten der Diskussionsteilnehmer auf das Verhalten von Kommunikationsgemeinschaften auswirken. Dazu verknüpfen wir die STELZNERsche Analyse der Rationalitätstypen mit einer Idee von JAŚKOWSKI und entwickeln eine Reihe geeigneter sehr schwacher epistemischer Modallogiken.

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[1] WUTTICH, K.: Sind Normalitätsforderungen moralische Maximen? Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Reihe Geistes- und Sozialwiss. 41 (1992) 9, 67
[2] MEGGLE, G.: Intentionalistische Semantik. Ein paar grundsätzliche Mißverständnisse und Klärungen. In: Intentionalität und Verstehen. (ed. Forum für Philosophie Bad Homburg). Frankfurt a. M. 1990, 122; etwas vorsichtiger: ULKAN, M.: Zur Klassifikation von Sprechakten. Eine grundlagentheoretische Fallstudie. Tübingen 1992, 20

 

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