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Uwe Wiedemann
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1  Vorüberlegungen

1.1  MEGGLEs Paradies

Die Welt von Georg MEGGLEs Kommunikationstheorie ist zu gut. Alle sind logisch völlig kompetent. Jeder glaubt, ja er weiß jeden logisch gültigen Satz. Mehr noch, er glaubt und weiß alle logischen Folgen jeder Behauptung, die er macht, er widerspricht sich nie (keine sich widersprechenden Theorien, welch Paradies?!). Wir wissen, was wir glauben, und wissen, daß wir das wissen. Alle Menschen haben die gleichen geistigen Fähigkeiten, alle haben die gleiche Art von Rationalität. Alle Kommunikationen sind offen, niemand schwätzt sinnloses Zeug, niemand ist müde oder unaufmerksam.

Ich zweifle an solch einer guten Welt, weiß nicht einmal, ob ich sie - wenn ich wählen könnte - haben wollte.

MEGGLE hat immer wieder unmißverständlich festgestellt, daß er ein Paradies beschreibt und nicht die wirkliche Welt. [1] Der Entwurf einer Kommunikationstheorie, die nicht über ein solches Paradies berichtet, ist damit kein Entwurf gegen die Theorie von MEGGLE, sondern eine Kommunikationstheorie mit einem anderen Anwendungsbereich. Diese Theorie schließt eine größere Gruppe von Subjekten ein.

Meine Absicht ist es, eine Kommunikationstheorie zu entwerfen, in der die Menschen zwar auch rational sind (denn sonst gäbe es in ihr für Philosophen keinen Platz), in der aber doch nicht alles von vornherein so gut ist wie im MEGGLEschen Paradies.[2]

Wie können wir den "teuflischen" Plan ausführen? Was muß hinzukommen, um das schlechte, logisch unvollkommene unserer Welt in das Paradies zu bekommen?

Das Ergebnis ist paradox: Damit aus dem MEGGLEschen Paradies eine Welt wird, wie wir sie im Alltag erleben, müssen wir nichts hinzufügen, sondern etwas weglassen, nämlich die epistemischen, wollenslogischen, handlungstheoretischen, konditionallogischen und deontischen Prinzipien, die die meisten Subjekte überfordern und MEGGLEs Theorie so paradiesisch machen.

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[1] Vgl. z. B. MEGGLE, G.: Intentionalistische Semantik. Ein paar grundsätzliche Mißverständnisse und Klärungen. In: Intentionalität und Verstehen. (ed. Forum fär Philosophie Bad Homburg). Frankfurt a. M. 1990, 122
[2] CASTAÑEDA hat ganz ähnlich festgestellt, daß MEGGLEs Theorie nur durch die Sprechakte eines Gottes realisiert wird. (vgl. CASTAÑEDA, H.-N.: Reflexivität in der Kommunikation. Kommentar zu Georg Meggle. In: KIENZLE, B./PAPE, H.: Reflexivität und die Bedingungen von Kommunikation. Frankfurt a. M. 1991, 414f.)

 

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